Katharina Sulzbach

Autorin

Interview


Über die Westendladies - Katharina Sulzbach im Gespräch

Wie sind Sie zu den drei Westendladies in Ihrem Debütroman gekommen – und wie zu deren Geschichten?

Ich habe sechs Jahre im Frankfurter Westend gelebt, und meine Kinder sind dort in den Kindergarten und in die Grundschule gegangen. Da trifft man die eine oder andere Westendlady. Aber natürlich habe ich diese Begegnungen nur als Anstoß und Inspiration genommen. Die Charaktere und Geschichten sind frei erfunden.

Die drei Ladies im Buch stöckeln, stampfen und stolpern durch bestimmte Gegenden in Frankfurt am Main und Umgebung – ist die Finanzmetropole für den Roman ebenso wichtig wie New York für „Sex and the City“?

Sicher ist es für Leserinnen und Leser ein besonderes Erlebnis, in einem Roman die Orte des Geschehens wieder zu erkennen, vertrauten Straßen in einem fiktiven Kontext zu begegnen. Manche Locations, Geschäfte oder Restaurants in meinem Buch existieren tatsächlich genau so. Manche sind aber auch frei erfunden oder verfremdet. Vielleicht trägt diese Mischung auch zur Spannung bei, das hoffe ich jedenfalls.

In jeder Stadt schwingt ein spezielles Lebensgefühl mit. Selbstverständlich kann sich Frankfurt und die „Frankfurterin“ nicht mit einer Großstadt wie New York und der berühmten „New Yorkerin“ messen. Aber beide Städte sind sehr international und weltoffen. Dementsprechend sind die drei Westendladies – genau wie die vier Frauen in „Sex and the City“ – modebewusst, locker und ganz sicher nicht verklemmt oder spießig. Aber vermutlich könnte uns diese Spezies Frau auch in anderen Metropolen wie München, London oder Paris begegnen.

Was zeichnet das Lebensgefühl der drei Freundinnen aus?

Alle drei durchlaufen eine Entwicklung, und auch ihr Lebensgefühl verändert sich. Claudia, die Karrierefrau und Mutter, die in allen Lebensbereichen Perfektion anstrebt, aber schmerzlich erfahren muss, dass man sie unmöglich erreichen kann – bei ihr würde ich den Leitsatz „Ich schaffe es trotzdem!“ definieren. Susanne: Fachliche Brillanz, Leichtigkeit, Chaos … führen zum Glücklichsein. Und bei Heike überwiegt zunächst das Gefühl „Styling, Status und Prestige sind alles, worauf es ankommt.“ Am Ende merkt sie, dass diese Attribute doch nicht alles bedeuten.

Der Roman ist in Episoden gegliedert, die Erzählstränge laufen parallel, überkreuzen sich, spiegeln einander – auch dadurch erinnert Ihr Debüt an populäre Fernsehserien wie „Desperate Housewifes“. War diese Serie ein Vorbild?

Nein, absolut nicht. Ich habe meinen Roman begonnen, da hatte ich noch nie etwas von „Desperate Housewives“ gehört. Ich habe einfach drauf los geschrieben. Diese Erzählform war für mich die einfachste und natürlichste. Erst im Laufe des Romans habe ich gemerkt, dass es nicht ganz unkompliziert ist, alle Stränge konstant zu verfolgen und auch zu einem Ende zu bringen. Aber als ich das vermeintlich fertige Werk Freundinnen zum Lesen gab, wurden natürlich sofort die Parallelen gezogen. Wobei ich da vorsichtig bin. Die Serie mag oder hasst man. Ich habe nichts gegen Polarisierungen, doch ich grenze mich von der Fernsehsendung ab. Für mich gibt es da zu wenig Zwischentöne.


Könnte man sagen: Ihr Buch ist – auch – eine Antwort auf die Finanzkrise, indem es Erschütterungen bei den oberen Zehntausend zeigt?

Erstens weiß ich nicht, ob man in Deutschland von „den oberen Zehntausend“ sprechen kann. Ist das nicht ein Film aus den 50ern mit Bing Crosby?

Zweitens auch hier der Hinweis: Das Buch habe ich vor der Finanzkrise begonnen. Natürlich waren einige Romanfiguren geradezu prädestiniert dafür, von der Krise „erwischt“ zu werden. Und ich habe auch den entsprechenden Haken geschlagen. Als Antwort auf die Finanzkrise würde ich das Buch dennoch nicht bezeichnen. Es gibt im Leben der Protagonistinnen auch viele andere Krisen, die sie bewältigen müssen …

Welche sind denn die entscheidenden Krisen, denen sich die Westendladies stellen müssen?

Es geht um drei Frauen und weit mehr als drei Probleme …

Susanne schlittert in eine berufliche Krise: Trifft sie als stellvertretende Geschäftsführerin des Auktionshauses Lengley’s die richtige Entscheidung, eine womöglich gefälschte Degas-Zeichnung zu versteigern? Und welche Rolle spielt ihr zum Verlieben attraktiver Praktikant, der Kunststudent Moritz von Witterstein?

Claudia trifft es am ärgsten: Der Umbau ihrer Altbauvilla stockt, das Au-pair-Mädchen verschwindet und ein Prozess läuft in die falsche Richtung. Schon bahnt sich eine Affäre an, und die Thanksgiving-Party endet in einer Katastrophe …

Heike dagegen klagt auf hohem Niveau – über eine lästige Schwiegermutter, die zweite Schwangerschaft, die einfach nicht klappen will, und Toms Bonus, der dieses Jahr vielleicht ausbleibt.

Im Schreiben, im Leben: Empfinden Sie Sympathien für Ihre Protagonistinnen?

Je weiter der Roman voranschritt, desto mehr sind mir Heike, Susanne und Claudia ans Herz gewachsen. Natürlich die eine mehr und die andere weniger. So jemand wie Heike ist sicher nicht auf den ersten Blick liebenswert. Sie erfüllt ja zunächst alle Klischees, die man bei einer Westendlady erwartet. Aber der Leser erfährt auch etwas darüber, warum sie scheinbar so oberflächlich ist. Und schließlich muss man ihr zugute halten, dass sie mit ihren Freundinnen durch dick und dünn geht.

Sie schreiben, haben drei Kinder und arbeiten als Justiziarin – wie geht das alles zusammen?

Das ist einerseits eine Frage von Zeiteinteilung und Selbstdisziplin. Andererseits muss man eine verständnisvolle Familie haben. Darüber hinaus kommt bei mir hinzu, dass mein generöser Arbeitgeber mir einen langen unbezahlten Urlaub und – seit ich Kinder habe – die Beschränkung auf eine Teilzeitstelle zugebilligt hat.

Haben Sie schon Ideen für ein zweites Buch?

Ich habe immer viele Ideen, manche landen erst einmal in der Schublade, in den Niederungen der Festplatte. Aber ich habe meinen zweiten Roman schon geschrieben. Es ist eine Fortsetzung der Westendladies, die die Leserinnen und Leser in den Vordertaunus, nach Zürich und natürlich auch wieder nach Frankfurt führt. Stutenparade erscheint am 20. August im Verlag Droemer Paperback, kurz vor der Taschenbuchausgabe der Westendladies, die ebenfalls bei Droemer Knaur erscheinen wird. Und nun arbeite ich bereits an meinem dritten Roman.

Das Interview führte Martin Bruch, Weissbooks.w